Erinnerungskultur in der Ukraine am Beispiel des Fußballs

Erinnerungskultur in der Ukraine am Beispiel des Fußballs

Das öffentliche Gedenken historischer Ereignisse in der Ukraine ist im Wandel, auch in Folge des Euromaidans. Sichtbare Zeugen der Veränderung sind gestürzte oder blau-gelb angestrichene Lenin-Denkmäler. Über die ukrainische Debatte um die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und den Holodomor erfährt man in Deutschland nur wenig. Auch die Diskussionen um die Rolle geschichtlicher Personen wie Bandera, Lenin und Stalin wird hierzulande lediglich stark verkürzt wiedergegeben. Hier soll angesetzt werden.

Im Rahmen des Projekts wird sich dem Thema Erinnerungskultur auf eine ungewöhnliche Art und Weise angenähert – mithilfe des Fußballs. Warum? Fußball macht soziale und politische Entwicklungen sichtbar. Er stößt öffentliche Diskussionen an, bei denen nicht nur Fußballer und Sportfunktionäre sondern auch Politiker, Journalisten und Wissenschaftler zu Wort kommen. Ein Beispiel ist die Debatte um die Verehrung von Stepan Bandera und der SS Division Galizien durch die Anhänger des ukrainischen Erstligisten Karparty Lviv.

Zum Einstieg fand im November 2017 eine Podiumsdiskussion im Rathaus Berlin-Charlottenburg statt. Auf der Veranstaltung wurde die Wechselwirkung von politischer Situation und Fußballkultur in der Ukraine unter die Lupe genommen. Das Europapokalspiel zwischen Hertha BSC und Zorya Luhansk bot den Anlass, das Schicksal der Binnengeflüchteten in der Ukraine zu beleuchten. Dafür standen ein Ultra-Fan aus Luhansk, eine Vertreterin einer internationalen Hilfs-NGO aus Kyiv und eine Vertreterin einer Menschenrechts-NGO aus Berlin Rede und Antwort. Von der Veranstaltung berichteten unter anderem die WELT und Deutschlandfunk Kultur.

Darauf aufbauend wird im Juli/August 2018 sowie im Januar/Februar 2019 in Kooperation mit der NGO „ФУТБОЛЬНА ДЕМОКРАТІЯ“ eine zweiteilige ukrainisch-deutsche Fan-Begegnung angeboten. Unter dem Titel „Seitenwechsel – Engagement und Erinnerungskultur im Fußball“ finden junge, aktive Fußballfans aus der Ukraine und Deutschland zusammen und setzen sich mit politisch-historischen Themen auseinander. Der Austausch soll dazu dienen, das zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen in den Fußballfanszenen zu stärken. Den Teilnehmenden wird die Möglichkeit gegeben, etwas über Geschichte, Gesellschaft und Kultur des jeweils anderen Landes zu lernen und Verständnis für andere Sichtweisen zu entwickeln. Der Fan-Austausch wird von der Stiftung EVZ im Rahmen des Programms „meet up! Deutsch-ukrainische Jugendbegegnungen“ gefördert.

Die Ausschreibung für das Projekt finden sie hier.


Peter Dittmann


Peter Dittmann


Peter Dittmann hat Politikwissenschaften in Berlin, Warschau und Mannheim studiert, mit Fokus auf Osteuropa, Zeitgeschichte und Sportpolitik. Er arbeitet im Büro von Anton Hofreiter, dem Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, und ist seit 2015 im Vorstand von Gesellschaftsspiele e.V., Verein für Bildungsarbeit im Kontext von Fußball und Gesellschaft.

Kontakt: peter.dittmann@gesellschaftsspiele.berlin

Gesellschaftsspiele e.V.


Gesellschaftsspiele e.V.

Gesellschaftsspiele e.V. macht Bildungsarbeit im Kontext von Fußball und Gesellschaft. Der Verein organisiert regelmäßig Diskussionsveranstaltungen mit international besetzten Podien zu sport- und gesellschaftspolitischen Themen. Gesellschaftsspiele e.V. widmet sich dabei insbesondere den Schattenseiten des Fußballsports wie Diskrimierung, Rassismus und Homophobie.

Daneben bildet die Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten einen weiteren Schwerpunkt. Gesellschaftsspiele e.V. veranstaltet Workshops für jugendliche Geflüchtete und ermöglicht Integration über Fußball- und Fankultur.

Website: http://gesellschaftsspiele.berlin