Zivilgesellschaftliche Perspektiven auf den ukrainisch-russischen Friedensprozess

Zivilgesellschaftliche Perspektiven auf den ukrainisch-russischen Friedensprozess

Mein Projekt besteht aus einer Studie, die eine Analyse und Diskussion der Minsker Dokumente und deren Perzeption in der ukrainischen und russischen Bevölkerung und in der internationalen Gemeinschaft umfasst. Nach einer ersten Deskstudie durch ein transnationales Forschergremium sollen die Ergebnisse mit VertreterInnen der lokalen Zivilgesellschaft diskutiert und gemeinsam zu einer Publikation verarbeitet werden. Diese soll 2017 an einer Serie von Rundtischen in der Ukraine, Russland, Deutschland und der Schweiz vorgestellt werden. Folgeprojekte sind möglich.

Als langjährige Beobachterin von Friedensprozessen im post-sowjetischen Raum interessieren mich die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen, die im September 2014 und Februar 2015 im „Minsker Abkommen“ mündeten. Besonders beschäftigt mich die Wahrnehmung des offiziellen Verhandlungsprozesses in der lokalen und internationalen Öffentlichkeit: Während die Bilanz im Westen eher positiv ausfällt, steht man ihm in Russland und vor allem in der Ukraine sehr kritisch gegenüber.

Die vorgeschlagenen Aktivitäten bauen auf den durch swisspeace zusammen mit Partnern umgesetzten Projekten „Fostering Civil Society Dialogue between Ukraine and Russia“ und „Women Initiatives for Peace in Donbas/s“ auf. Diese analysieren seit 2014 aus einer bottom-up Perspektive die Folgen des Krieges und denken über zivilgesellschaftliche Ansätze zu deren Behebung nach.

Das Projekt soll helfen, den ukrainischen Friedensprozess und seine Perzeption in der Zivilbevölkerung besser zu verstehen und kritisch zu reflektieren. Gemeinsam mit ukrainischen und russischen Partnern, und unterstützt durch die deutsche NGO OWEN möchte ich folgenden Fragen auf den Grund gehen: Wie ist das Bild des Minsker Prozesses in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zustande gekommen? Was ist Propaganda, was entspricht der wirklichen Situation? Welche Informationen sind über welche Kanäle zu wem gelangt? Was hat das für einen Einfluss auf den gesamten Friedensprozess?

Nach einer ersten Deskstudie durch das Forschergremium soll die zivilgesellschaftliche Wahrnehmung des offiziellen Friedensprozesses (Minsker Prozess) mit VertreterInnen der ukrainischen und russischen Zivilgesellschaft im Konfliktgebiet gemeinsam diskutiert werden. Damit soll den Gründen des zivilen Misstrauens gegenüber den offiziellen Verhandlungen auf den Grund gegangen und zu einer stärkeren Verankerung des Friedensprozesses in der Bevölkerung beigetragen werden. Geplant sind weiter eine Publikation und Rundtische in Berlin und in der Schweiz, um die Ergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen.


Cécile Druey


Cécile Druey


Cécile Druey ist Slavistin und Historikerin (2016, Doktorat am Graduate Institute in Genf, Schweiz). Sie arbeitet seit 2011 bei der Schweizerischen Friedensstiftung swisspeace als Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Beraterin für den post-sowjetischen Raum.

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swisspeace ist ein praxisorientiertes Forschungsinstitut für Konflikt- und Friedensthemen, das gewaltsame Konflikte analysiert und Strategien für ihre friedliche Transformation entwirft. swisspeace arbeitet an einer Verbesserung der Konfliktprävention und Konflikttransformation durch innovative Forschung, die Entwicklung und Anwendung neuer Tools und Methoden, durch die Unterstützung und Beratung von anderen Akteuren der Friedensarbeit, und durch das zur Verfügung-Stellen von Raum für Dialog, Analyse und kritische Reflexion. swisspeace ist ein assoziiertes Institut der Universität Basel und Mitglied der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften.